100 Tage „Das neue Wohnzimmer“ – Warum wir Gastronomie verändern müssen

Kaum haben wir „Das neue Wohnzimmer“ Anfang Dezember 2017 in der Messestadt wiedereröffnet, blicken wir nach einem gefühlten Wimpernschlag mit Stolz, großer Freude und Erfolg auf die ersten Monate zurück. Nach dem Eröffnungsabend mit drei Bands und Neujahrsempfang haben wir gemeinsam Fasching gefeiert, Bier und Gin verköstigt und zuletzt die Osterfeiertage beim Brunch oder Buttermilch-Lamm verbracht. Viele unserer Gäste fragen uns, wie es denn läuft, warum der Laden auf einmal oftmals voll ist, was wir anders machen und in der Zukunft geplant haben – dazu wollen wir gerne ein paar Gedanken mitteilen und vielleicht eine Diskussion mit Euch und Dir ganz persönlich anstoßen.

Das neue Wohnzimmer.

Unser gastronomisches Konzept im neuen Wohnzimmer

Anfang 2018 haben wir die Leitmesse für Gastronomie INTERGASTRA in Stuttgart besucht und konnten zwei große Trends in der Nahrungsmittelverarbeitung feststellen: entweder hin zu fertigen, billigsten und möglichst einfach zu verarbeitenden Tiefkühlprodukten oder hin zu militant biologisch produzierten, veganen und durchaus überteuerten Angeboten – eine gesunde Mitte scheint zu verschwinden und wir finden uns in keiner dieser beiden Trendrichtungen wieder. Die Messestadt ist bunt und lässt sich nur schwerlich kategorisieren: hier treffen kinderreiche Familien und Sozialwohnungen mit kleinem Budget auf den knallharten Münchner Immobilienmarkt und neue Baugenossenschaften. Und für alle diese Menschen müssen und wollen wir einen gemütlichen Treffpunkt mit ausgewogenem Angebot schaffen. Hier trifft vegane Gemüsesuppe auf Anneliese´s Schweinsbraten in Dunkelbiersoße – hier trifft Abdul´s afghanische Aubergine auf die bayerische Brotzeitplatte.

Unser gastronomisches Konzept schätzt insbesondere echte Regionalität und Saisonalität zu bezahlbaren Preisen für ein breites Spektrum an Geschmacksrichtungen. Unsere Lieferanten und Partner befinden sich daher in nächster Nähe – die meisten davon kennen wir persönlich und stehen in ständigem Kontakt. Die frischen Teigwaren für das Sonntagsfrühstück stammen von einem nur wenige hundert Meter entfernten Bäcker in der Messestadt, der Großteil unserer Waren vom Hamberger-Auslieferungslager im Riemer Gewerbegebiet um die Ecke oder dem Markt am Münchner Ostbahnhof. Unsere Kaffeespezialitäten werden in bester Qualität und von Hand vom Dinzler am Irschenberg geröstet. Dazu gibt´s frische BIO-Bergbauernmilch aus dem Berchtesgadener Land und einer unserer Mitarbeiter bringt mehrmals wöchentlich frische Kuchen und Torten aus der Traditionskonditorei Winklstüberl aus Fischbachau im bayerischen Oberland vorbei. Gemüse und Salate stammen aus dem Münchner Kartoffelkombinat oder von Kugler Feinkost im wenige Kilometer entfernten Parsdorf.

Was wollen wir sein und werden?

Unser Personal lebt ausnahmslos in der direkten Umgebung, viele sind Nachbarn und echte Messestädter. Neben gelernten Fachkräften beschäftigen wir jedoch auch gastronomische Neulinge und können daher nicht immer einen gehobenen Service bieten. Die Frage nach dem was wir sind ist aus unserer Sicht nur schwer zu beantworten: an manchen Abenden sind wir Speiserestaurant, an vielen Nachmittagen Café und Eisdiele, an wieder anderen Abenden wird Schafkopf gespielt und Schnaps getrunken und wir könnten eher als Kneipe oder Nachbarschaftstreff gelten. Entscheidet selbst, was wir für Euch sind. Die Frage nach dem „was wollen wir werden“ ist hingegen leicht zu beantworten: wir wollen sein wie die Messestadt und ihre Bewohner selbst – abwechslungsreich, freundschaftlich, nachbarschaftlich und offen für jeden unserer Gäste und Freunde.

Was bringen die nächsten 100 Tage ganz konkret?

Natürlich wollen wir den Frühling begrüßen und Angrillen, die Terrasse und das Wohnzimmer weiter „vergemütlichen“ und mit Euch gemeinsam laue Sommernächte verbringen. Die Umstellung der Weinkarte begehen wir alsbald mit einer Weinprobe. An Himmelfahrt wird es einen Weißwurst-Frühschoppen geben und am 29. Juni einen argentinischen Sommernachts-Tangoabend. Wir werden die Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft auf Leinwand übertragen und haben ein paar Konzerte auf dem Plan – lasst Euch überraschen.

Danksagung

Ich möchte mich an dieser Stelle persönlich bei allen Gästen, Freunden, Unterstützern und dem neuen Wohnzimmer-Team in meinem Rücken bedanken – ohne Euch wäre die Bilanz nicht annähernd so positiv. Danke an Karin für die wechselnde Dekoration, danke an Karl, Waltraud und Sabine für viele Stunden Engagement rund um das Wohnzimmer. Danke für alle Geld- und Sach-Spenden, Stuhlkissen, Pflanzen und noch so vieles mehr. Danke an Familie Kober – die Kinder schmeißen bei uns den Service, der Jüngste im Praktikum, Anya hilft in der Küche, Peter und Christel sind da wann und wo wir sie brauchen. Danke an Johanna, Chris, Tristan und meine Familie. Auf die nächsten 100 Tage und noch viele mehr, Ihr und Euer Christian Stern